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Details zu Symposium 10

Samstag, 23. Mai 2009

Beginn 09:30 Uhr, Dauer 90 min
Moderation
G. Jacob, Klinikum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
B. Renneberg, Freie Universität Berlin
Vorträge der Sitzung
Details zu den Vorträgen
Prof. Dr. Babette Renneberg
Mimischer Emotionsausdruck bei Borderline Persönlichkeitsstörung
Autoren
Prof. Dr. Babette Renneberg, Freie Universität Berlin, Klinische Psychologie und Psychotherapie
Dr. Katja Stäbler, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Regensburg
Theoretischer Hintergrund: Der mimische Emotionsausdruck hat wichtige Funktionen in der interpersonellen Kommunikation,zum anderen erfüllt er auch  intrapersonelle Funktionen wie die Modulation und Regulation der emotionalen  Befindlichkeit.  Der Stand der Forschung sowie Ergebnisse aus drei eigenen Studien zum mimischen Emotionsausdruck bei der Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) werden vorgestellt. 
Methode: In experimentellen Studien wurde der mimische Emotionsausdruck von Patientinnen mit BPS, Patientinnen mit Depression und nicht-klinischen Kontrollpersonen nach positiven und negativen emotionsinduzierenden Reizen verglichen. Videoaufzeichnungen der Gesichter wurden mittels EMFACS (Emotional Facial Action Coding System, Friesen & Ekman, 1984) ausgewertet. 
Ergebnisse:  Während eines stationären Aufenthalts zeigen Patientinnen mit BPS vergleichbar zu Patientinnen mit Depression eine reduzierte mimische Aktivität; also weniger positive und weniger negative emotionale Gesichtsausdrücke als Personen der Kontrollgruppe. Acht Monate später, außerhalb einer Krise, zeigen Patientinnen mit BPS die Reduzierung nur bezüglich der positiven emotionalen Gesichtsausdrücke. Als Reaktionen auf sozialen Ausschluss zeigten Patientinnen mit BPS mehr gemischte Emotionsausdrücke als Kontrollpersonen.
Diskussion: Implikationen für das Störungswissen bezüglich der Kommunikation und Emotionsregulation bei BPS und Implikationen für die Psychotherapie der BPS  werden diskutiert.  
Dipl.-Psych. Kathrin Ritter
Empathiefähigkeit bei Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
Autoren
Dipl.-Psych. Kathrin Ritter, Charité University Medicine Berlin, Charité Centre 15, Campus Benjamin Franklin, Department of Psychiatry, Eschenalle 3, 14050 Berlin, Germany
Dr. Isabel Dziobek, Max Planck Institute for Human Development, Koenigin-Luise-Str. 5, 14195 Berlin, Germany
Dr. Hauke Heekeren, Max Planck Institute for Human Development, Koenigin-Luise-Str. 5, 14195 Berlin, Germany
PD Dr. Claas-Hinrich Lammers, Asklepios Clinic North - Ochsenzoll, Langenhorner Chaussee 560, 22419 Hamburg, Germany
Dr. Stefan Roepke, Charité University Medicine Berlin, Charité Centre 15, Campus Benjamin Franklin, Department of Psychiatry, Eschenalle 3, 14050 Berlin, Germany
Sozial-kognitive und empathische Fähigkeiten tragen zu einer gesunden Beziehungsgestaltung bei. Bei Persönlichkeitsstörungen (PS) sind diese Fähigkeiten beeinträchtigt. Ziel der Studie war es, Patienten mit einer Borderline-PS (BPS, N = 27) hinsichtlich ihrer kognitiven und emotionalen Empathiefähigkeit im Vergleich zu Patienten mit einer Narzisstischen PS (NPS, N = 22) und gesunden Probanden (KG, N = 53) zu untersuchen. Alle Probanden wurden mit der dt. Version des Interpersonal Reactivity Index (Paulus, 2004) und zwei gut validierten Instrumenten, dem Multifaceted Empathy Test (Dziobek et al., 2008) und dem Movie for the Assessment of Social Cognitions (Dziobek et al., 2006) untersucht. Die Ergebnisse zeigen signifikante Beeinträchtigungen in der kognitiven und emotionalen Empathie bei der BPS im Vergleich zur KG. NPS-Patienten zeigen Einschränkungen in der emotionalen Empathie, nicht aber in ihrer Fähigkeit zur kognitiven Empathie. Die Patienten (BPS vs. NPS) unterscheiden sich signifikant in ihrer kognitiven Empathie – BPS-Patienten sind eingeschränkter als NPS-Patienten, können also andere Menschen weniger gut in ihren Gedanken und Gefühlen verstehen als NPS-Patienten. Beide Störungsbilder haben ähnliche Schwierigkeiten, sich mit anderen Menschen zu freuen oder Mitleid für sie zu empfinden. Empathiemangel scheint demnach nicht nur ein Problem bei NPS-Patienten zu sein (wie im DSM-IV definiert), sondern auch bei Patienten mit einer BPS.
Lars Schulze
Neuronale Korrelate der kognitiven Regulation von Emotionen bei der Borderline Persönlichkeitsstörung
Autoren
Lars Schulze, Universitätsklinikum Rostock, Gehlsheimer Straße 20, 18147 - Rostock, Deutschland
Dr. Gregor Domes, Universität Zürich, Binzmühlestrasse 14 / Box 8, 8050 - Zürich, Schweiz
Alexander Krüger, Universitätsklinikum Rostock, Gehlsheimer Straße 20, 18147 - Rostock, Deutschland
Prof.Dr. Karlheinz Hauenstein, Universitätsklinikum Rostock, Gehlsheimer Straße 20, 18147 - Rostock, Deutschland
Prof.Dr. Sabine C. Herpertz, Universitätsklinikum Rostock, Gehlsheimer Straße 20, 18147 - Rostock, Deutschland
Hintergrund: 
Defizite in der Emotionsregulation gelten als Hauptmerkmal der Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS). Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung der neuronalen Mechanismen, die einer veränderten Emotionsregulation bei BPS Patienten zugrunde liegen.

Methoden:
Wir untersuchten 16 Patienten mit einer BPS und 16 gesunde Kontrollen mittels fMRT bei der expliziten Regulation (kognitive Abschwächung) von Emotionen, die durch IAPS-Bilder ausgelöst wurden.

Ergebnisse:
Während der initialen Betrachtung zeigte sich in der BPS-Gruppe im Vergleich zu den gesunden Kontrollen eine erhöhte Aktivität der Insula auf neutrale Bilder sowie Trends für eine erhöhte Reagibilität der Amygdala auf negative und neutrale Stimuli. Während der Abschwächung der emotionalen Reaktion zeigte sich bei BPS-Patienten eine verminderte Aktivität des linken OFC, welcher mit einer gleichzeitig erhöhten Aktivität der Insula einherging. Es zeigten sich interessante Zusammenhänge zwischen den funktionellen Ergebnissen und der BSL-95. 

Diskussion:
Unsere Ergebnisse replizieren bisherige Befunde, die eine erhöhte emotionale Reagibilität von BPS-Patienten nachweisen konnten. Darüber hinaus weist die verminderte Aktivität im OFC auf ein Emotionsregulationsdefizit der BPS-Patienten hin.
Dr. Gitta Jacob
Wirksamkeit verschiedener Strategien zur Downregulation negativer Emotionen bei Borderline-Persönlichkeitsstörung
Autoren
Dr. Gitta Jacob, Uniklinik Freiburg, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Hauptstraße 5, D-79104 Freiburg
Julie Arendt, Uniklinik Freiburg, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Hauptstraße 5, D-79104 Freiburg
Lisa Kolley, Uniklinik Freiburg, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Hauptstraße 5, D-79104 Freiburg
Strategien zur Downregulation negativer Emotionen stellen einen wichtigen Bestandteil Borderline-spezifischer Psychotherapie dar. Obwohl viele verschiedene Regulationsstrategien eingesetzt werden, gibt es zu deren (differentieller) Wirksamkeit bisher kaum experimentelle Forschung. In der vorgetragenen Studie wurden 3 verschiedene Typen von Emotionsregulation (Rechenaufgaben, tröstliche Imagination, Abrufen einer positiven Erinnerung) hinsichtlich ihrer emotionsregulierenden Wirkung mit und ohne vorherige Induktion negativer Stimmung verglichen. Es zeigen sich differentielle Effekte v.a. auf positive Emotionen i.d.S., dass Imagination und positive Erinnerung nicht nur negative Emotionen reduzieren, sondern auch positive Emotionen induzieren. Mögliche Implikationen für die Behandlung der Borderline-Störung werden diskutiert. 
Theresa Unger
Persönlichkeitsstörungen und Behandlungserfolg bei Patienten mit unipolaren Depressionen
Autoren
Theresa Unger, Kliniken im Theodor Wenzel Werk, Abt. Psychiatrie & Psychotherapie, Potsdamer Chaussee 69, 14129 Berlin
Sabine Hoffmann, Kliniken im Theodor Wenzel Werk, Abt. Psychiatrie & Psychotherapie, Potsdamer Chaussee 69, 14129 Berlin
Stephan Köhler, Charite, Berlin
Prof. Dr.med. Arthur Mackert, Kliniken im Theodor Wenzel Werk, Abt. Psychiatrie & Psychotherapie, Potsdamer Chaussee 69, 14129 Berlin
Prof. Dr. Thomas Fydrich, Institut für Psychologie, Abteilung Psychotherapie & Somatopsychologie, Humboldt Universität zu Berlin, Rudower Chaussee 18, 12489 Berlin
Hintergrund
Bisherige Befunde zum Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsstörungen (PS) und dem Behandlungserfolg bei Patienten mit unipolaren Depressionen sind widersprüchlich. Ziel dieser naturalistischen Studie ist es daher, zu untersuchen, ob stationär behandelte depressive Patienten mit PS einen ungünstigeren Behandlungserfolg aufweisen als Patienten ohne PS.
Methode
64 depressive Patienten (44% mit PS, SKID-II) wurden vor und nach einer stationären, psychiatrisch-multiprofessionellen Behandlung anhand HAMD, BDI, BSI und SF-12 untersucht. 
Ergebnisse
Sowohl depressive Patienten mit als auch ohne PS erreichten während der Behandlung eine bedeutsame Symptomverbesserung. Nach Behandlungsende wiesen depressive Patienten mit PS eine stärkere psychische Gesamtbelastung auf als Patienten ohne PS. Diese kann auf ihre stärkere Symptomatik zu Behandlungsbeginn zurückgeführt werden. Es zeigte sich kein bedeutsamer Unterschied in der depressiven Symptomatik und der subjektiven Gesundheit zwischen den beiden Patientengruppen nach Behandlungsende. 
Diskussion
Unabhängig vom Vorliegen komorbider PS erreichen depressive Patienten eine bedeutsame Symptomverbesserung. Patienten mit PS weisen jedoch nach Behandlungsende aufgrund ihrer stärkeren Symptomatik zu Behandlungsbeginn eine höhere psychische Gesamtbelastung auf als Patienten ohne PS. Ergebnisse der 1-Jahres-Katamnese und der Zusammenhang einzelner PS mit dem Behandlungserfolg bei depressiven Patienten werden vorgestellt.